Gronenfelder Werkstätten
Die Geschichte der Gronenfelder-Werkstätten reicht bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Damals wurden die Flächen von einer nahe gelegenen therapeutischen Einrichtung gartenbaulich genutzt. Seit den 1960er Jahren arbeiten behinderte Menschen auf dem Betrieb, der landwirtschaftliche Bereich wurde nach und nach weiter ausgebaut. Einige der Betreuten leben und arbeiten seit dieser Zeit in Gronenfeld und sind fest mit der Region und dem Ort verwurzelt. „Diese Leute sind teilweise im Rentenalter und wohnen weiterhin in unserem Wohnheim, da sie sich sehr stark mit der Landwirtschaft und der Umgebung verbunden fühlen“, so Jochen Hanschel, der Leiter des Grünen Bereichs und stellvertretende Geschäftsführer. Mit der zukunftsweisenden Umstellung auf Ökolandbau gehörte der Hof 1990 zu den ersten Biolandbetrieben in Brandenburg.
Gemüsebau mit Vermarktung auch über den eigenen Hofladen
Gleich hinter der Einfahrt der Gronenfelder Werkstätten steht der einladende Hofladen der Einrichtung. Ein reichhaltiges Sortiment von eigenen Produkten wie Milchprodukten, Wurstwaren und Gemüse wird durch zahlreiche Bioprodukte wie Säfte, Kosmetika und Trockenwaren ergänzt. Unmittelbar daneben duftet es nach frischem Brot aus der kleinen Bäckereiwerkstatt. Mit der Unterstützung eines Betreuten werden hier mit Backferment Roggen-Weizen-Mischbrote gebacken, die direkt nebenan im Bioladen verkauft werden und von den Exkursionsteilnehmern begutachtet werden. Das Getreide wird auf dem landwirtschaftlichen Betrieb gereinigt und stammt von den insgesamt 50 Hektar der Hofflächen, die nach den Regeln des Bioland-Verbandes bewirtschaftet werden. Der Betrieb arbeitet mit einer siebengliedrigen Fruchtfolge (bestehend u.a. aus Winter- und Sommergetreide, Kleegras, Hackfrüchte und Feldgemüse). Mit 25 Betreuten baut die Feldbaugruppe auf den hofnahen Flächen neben Rüben, Frühkartoffeln, Zwiebeln und Spargel auch Möhren (in Dämmen) an. Unter der Leitung von Katharina Muck und zwei weiteren Mitarbeitern wird eine bunte Mischung von Feldgemüse angebaut. Gerade in trockenen Jahren ist das nicht einfach, denn es fehlt auf den lehmig-sandigen Böden an ausreichend Wasser - eine Bewässerungsanlage steht deshalb schon länger auf der Wunschliste der Gemüsebauern. Produziert wird in erster Linie für den Hofladen.
Überangebote oder mangelhafte Partien können jederzeit an die Verarbeitungswerkstatt der WfbM-eigenen Küche geliefert werden - so fallen keine Überschüsse an. Die flexible Nachfrage lässt sich damit erklären, dass der Gemüsebedarf der Einrichtung bisher nicht durch die eigenen Produkte gedeckt werden kann. „Wir könnten den Gemüseanbau auf 10 Hektar ausweiten, doch dazu fehlen uns weitere Betreute, die anpacken können und gerne draußen arbeiten“, so Katharina Muck. Sie beobachtet, dass es zunehmend schwieriger wird, behinderte Jugendliche für den Arbeitsbereich Landwirtschaft zu begeistern und eine Verbindung zu der Umgebung der Einrichtung aufzubauen. So fallen auch während der Arbeit auf dem Feld zunehmend Betreuungsaufgaben an, für die formal der Soziale Dienst zuständig wäre.
Hinter den Wirtschaftsgebäuden werden auf über 4.000 qm zum Teil in Folientunneln Obst, Paprika, Auberginen, Spargel und weiteres Gemüse angebaut. Zudem werden unter Glas auf weiteren 300 Quadratmetern überwiegend Jungpflanzen angezogen, die auf direktem Weg an umliegende Betriebe oder über den eigenen Hofladen vertrieben werden. Hier arbeiten 13 Betreute. Die Vermarktung der Jungpflanzen ist für diese Abteilung von Bedeutung, denn immerhin die Hälfte der Gewinne aus dem „Unterglas-Anbau“ stammen aus den Verkaufserlösen. Doch insbesondere in den Gewächshäusern hat sich über die Jahre hinweg eine enorme Belastung der Böden mit Nemathoden entwickelt. Ein schwerer Schlag für den Betrieb, der seitdem versucht, über Feindpflanzen wie Tagetes die Böden zu sanieren. Die Jungpflanzen werden nun ausschließlich in Töpfen großgezogen, die keinen direkten Bodenkontakt haben, um eine weitere Verschleppung der Pflanzenparasiten in andere Betriebe zu vermeiden. Auf den umliegenden Feldern bereitet der fadenförmige Wurm ebenfalls Probleme, die über Regulierungsmaßnahmen wie eine weite Fruchtfolge und den Anbau von Ölrettich reduziert werden.
Der Tierbereich mit Hühner-, Milchvieh- und Schweinehaltung
In einem kleinen Stall mit Legenestern, Sitzstangen und Zugang zum Außenbereich fühlen sich 250 Hühner der Rasse Silver Nick von der Firma H&N wohl, die von einem der Betreuten versorgt werden. Zu den Routineaufgaben gehören: Einstreuen, Füttern, Eier sammeln und stempeln. Die Legeleistung wird täglich von den Betreuten kontrolliert und genau notiert. „Das Schöne an dieser Tätigkeit ist, dass der komplette Produktionsprozess vom Füttern bis zum Verkauf der Eier für unsere Mitarbeiter nachvollziehbar und erlebbar wird“, so Jana Jantke (Werkstattleiterin Tierbereich).
Jana Jantke kümmert sich auch um die zehn Milchkühe, die noch übergangsweise in einem Anbindestall gemolken werden. Gemolken wird mit einer Eimermelkanlage; von einem Betreuten wird die Milch zu einer kleinen Milchkammer getragen, dort wird diese dann in Flaschen abgefüllt und als Rohmilch über den Hofladen vermarktet. Im selben Gebäude befindet sich auch der Schweinestall mit etwa 40 Tieren; einem Eber, Sauen und eigener Nachzucht.
Ausblick
Welche Herausforderungen kommen auf den Betrieb in der nächsten Zeit zu?
Gerade im Bezug auf die artgerechte Unterbringung der Rinder und Schweine müssen die Weichen neu gestellt werden. Jochen Hanschel plant zukünftig weitere Umstrukturierungen in der Tierhaltung: So gibt es Pläne, den veralteten Anbindestall durch einen artgerechten Stallneubau abzulösen. Darüber hinaus überlegt er, die Hühnerhaltung um weitere Ställe und Arbeitsplätze auszubauen. Zum Abschluss des Rundgangs stellt Hanschel eine weitere Frage in den Raum, die sich auch einige verantwortliche Leiter von WfbM stellen: „Können wir auch in Zukunft in unserem „Grünen Bereich“ so divers bleiben oder werden wir durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dazu gezwungen, uns auf einzelne Produkte zu spezialisieren?“



